Donnerstag, 08.03.2012
Noel Gallagher´s High Flying Birds
» Ticket kaufen!ab 30,- € zzgl. Geb.
special guest: Folks
Einlass: 18:30 Beginn: 20:00 Venue: Alsterd. Sporthalle
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„Mein Manager fragte mich, wer die High Flying Birds seien. Sie sind niemand besonderes. Noel Gallaghers High Flying Birds – das bin ich mit allen, die just in der Nähe sind, wenn ich gerade
irgendetwas mache. Es handelt sich also eher um ein sehr lose angelegtes Kollektiv.“
So erklärt Noel Gallagher den neuesten Schritt auf seiner ungewöhnlichen, gewundenen Reise.
Seine musikalische Karriere begann Gallagher damit, für The Inspiral Carpets Verstärker vom Tourbus in die Clubs und zurück zu schleppen. Dann gelang es ihm, mit Oasis die Stimmen, Hoffnungen und Träume von Millionen Menschen zu erreichen, was sie zur erfolgreichsten Band der letzten zwei Jahrzehnte machte. Nun hat er ein Meisterwerk geschaffen, das all die Charakteristika von Noel Gallagher aufweist: melancholische Songlinien, euphorisierende Refrains und die Idee, dass alles gut werden wird, wenn der Regen sich nur erst einmal verzogen hat. Ein Opus also von geradezu kosmischer Reichweite!
Obendrein hat Gallagher ein komplettes weiteres Album mit den DJ-Gurus der psychedelischen Formation Amorphous Androgynous aufgenommen, die ihn an den Rand des Wahnsinns trieben, spätestens als sie ihn zwangen, über fünf Stunden und zehn Minuten immer wieder ein und dieselbe Gitarrenweise zu spielen – aber davon später mehr.
Noel Gallaghers High Flying Birds nehmen Kurs auf Gegenden, in die Oasis sich wohl nie gewagt hätten. Von dem Ragtime-Overkill „The Death Of You And Me“ über das von Ennio Morricone inspirierte, mit Streichersätzen besonders dramatisch arrangierte „Everybody’s On The Run“ bis hin zu den hymnisch jubilierenden Chören von „(I Wanna Live In A Dream In My)Record Machine“ offenbart sich hier ein anspruchsvolles, geradezu episches Album, das alle Farben des Regenbogens in sich birgt. Es ist auch das Ergebnis eines stets alles hinterfragenden Geistes, angetrieben ebenso von neuen Erkenntnissen wie von dem grundlegenden, unstillbaren Bedürfnis, der Welt etwas mitzuteilen.
„Wenn die Leute dieses Album hören, werden sie denken, ich hätte mich bewusst dazu entschieden, etwas ganz anderes zu machen“, sagt Gallagher. „Aber so war es gar nicht. Es hat sich einfach so ergeben. Ich will gar nichts gegen Oasis sagen, denn ich habe meine Zeit in dieser Band sehr genossen und war ja auch voll dafür verantwortlich, aber es gab immer Bedenken – wie wird das wohl in Wembley ankommen, wo 70.000 Leute ihren Spaß haben wollen? Dieses Mal musste ich mir darüber keinerlei Gedanken machen. Auf dem Album gibt es ein Stück, auf dem ein Typ auf Weingläsern spielt, auf einem anderen wird eine Säge bearbeitet. Das ist nicht Oasis – ich weiß nicht, was es ist … noch nicht.“
Die musikalische und textliche Komplexität und handwerkliche Qualität von Noel Gallaghers High Flying Birds straft alle jene Lügen, die behauptet haben, nach dem Ende von Oasis sei Noel völlig in Trägheit verfallen. „Da gab es eine Kritik des Beady Eye Albums — und ich muss zugeben, Beady Eye haben wirklich sehr gute Rezensionen bekommen — da hieß es so ungefähr: ‚Während Liam hart arbeitet, wandert Noel durch die Straßen.‘ Es klang so, als würde ich durch Nordlondon stolpern und die Mülltonnen durchsuchen. Tatsache ist aber, dass ich über ein Jahr im Studio war, und ich war kurz davor, verrückt zu werden. Jetzt ist mit den Aufnahmen erst mal Schluss, bis ich Mitte 70 bin.“
Die eigentliche Arbeit an dem Album begann im Februar 2010, als Gallagher für Aufnahmen mit Paul Stacey, dem ehemaligen Toningenieur von Oasis, und seinem Zwillingsbruder, dem Drummer Jeremy, das State Of The Ark Studio in Twickenham, Middlesex buchte. Ursprünglich war geplant, von da aus für ein paar Wochen nach Los Angeles zu fliegen und die Stücke mit
dem Produzenten Dave Sardy abzumischen, aber es kam ganz anders.
„Dave sagte zu mir: ‚Es ist super, aber das klingt nicht wie eine Band‘, und ich erwiderte: ‚Ich
bin keine Band!‘ ‚Dann müssen wir das so hinkriegen, dass du klingst wie eine Band‘, meinte er dann. Also haben wir hier Drums neu aufgenommen, dort einige Overdubs hinzugefügt, sodass ich letzten Endes mehrere Monate in LA war, und die ganze Zeit über dachte ich: ‚Er kann das, was ich gemacht habe, nicht verbessern.‘ Tatsächlich aber war das Ergebnis seiner Arbeit einfach überwältigend.“
„If I Had A Gun…“, einer der emotional eindringlichsten Songs seit Gallaghers „Wonderwall“,erzählt mit einer anrührend zarten Traurigkeit von einem jungen Liebespaar und deren Versuchen, zusammenzukommen.
Ein musikalischer Husarenstreich ist auch „Soldier Boys And Jesus Freaks“. Es hat den grundlegenden Faden für das Album geliefert: die Melancholie im Glück zu finden. So schreibe ich Songs. Oasis‘ „Some Might Say“ klingt vielleicht wie ein Gute-Laune-Lied, aber dann muss man sich den Text anhören. Da kommt mein irisches Blut zum Vorschein.“
Diese Themen – die Suche nach Schönheit im Ennui des alltäglichen Lebens, die Sehnsucht, all dem zu entkommen, junge Liebe gegen alle Widrigkeiten – finden sich nicht nur auf „Soldier Boys“, sondern durchziehen das gesamte Album. Es sind Themen, die Gallagher schon seit gut zehn Jahren beschäftigen.
Das Thema ‚Erste Liebe‘ inspirierte auch „The Death Of You And Me“, eines der bemerkenswertesten und überraschendsten Stücke auf dem Album, und zugleich denkbar weit entfernt von Oasis. Es beginnt mit einem stampfenden Beat und einer Melodie, die ein wenig an die Kinks Mitte der 60er erinnert. Dann, mittendrin, stoßen unvermutet jazzige Blechbläser dazu und plötzlich fühlt man sich wie in New Orleans. „Das Thema, die Idee ist gleich: so gut die Dinge laufen, irgendeinen Mist gibt es immer“, erklärt Gallagher die Kernaussage des Songs. „Es ist eine typisch britische Sichtweise. Der Song hat einen Hauch von Varieté mit leicht geöffneten Vorhängen. Es gibt diese Zeile: ‚I see another new day dawning, it was rising over me, with my mortality.‘ So ist es, ein neuer Tag bricht an. Aber ich bin gerade einen Tag älter geworden, einen Tag meinem Ende näher.“
„AKA… What A Life!“ ist eine unbeschwertere Hymne und hat die Anziehungskraft eines unwiderstehlichen Dancefloor-Magneten. „Es hat eine Weile gedauert, bis ich von diesem Song überzeugt war“, erinnert sich Gallagher. „Aber der House-Klassiker ‘Rhythim Is Rhythim‘ von Strings Of Life, den ich schon seit den frühen Tagen im Hacienda liebe, inspirierte mich zum Klavierpart, und ich erkannte, dass der Song das gewisse Etwas hat, egal, wie man es benennen mag.“
Was das anstehende, bislang unbetitelte Album mit Amorphous Androgynous betrifft: Es kam dazu, nachdem Gallagher Garry Cobain und Brian Dougans von Amorphous bat, einen Remix der letzten Oasis-Single „Falling Down“ zu machen. Sie lieferten ein 22-minütiges Werk, bei dem sie Gallaghers Gesang durch den von Alisha Sufitt von der 70er Hippieband Magic Carpet ersetzten.
„Die Arbeit mit denen war einmalig, so etwas hatte ich noch nie erlebt. Wir machten das Album im Studio von Paul Weller. Vorher habe ich mich immer sehr bemüht, den Song vor den eigentlichen Aufnahmen zu komponieren. Dieses Mal war es so, dass ich einen Song schrieb und ins Studio brachte. Dann sagte Gaz Cobain: ‚Nee, vergiss es, wir lassen uns hier jetzt was Neues einfallen. Vertrau auf deinen Instinkt und vergleiche dich nicht mit anderen.‘ Ich war ein paar mal kurz davor, ausfällig zu werden, aber die Ergebnisse zeigen, dass es dieMühe wert war.“
Seine Soloarbeiten zwangen Gallagher auch dazu, etwas zu machen, wogegen er sich jahrelang erfolgreich gesträubt hatte: Er musste einen Computer kaufen. „Ich hatte mich nie zuvor damit befasst. Gem [Archer] hat sonst immer für mich den iPod geladen, also brauchte ich nichts anderes. Aber dann erzählte mir jemand, dass es auf YouTube Kids gibt, die Songs von mir vervollständigen, die ich eigentlich noch gar nicht geschrieben habe, weil mich jemand dabei gefilmt hatte, wie ich bei Soundchecks das eine oder andere Stück ausprobierte. Mich hat das nicht gestört, aber ich entschloss mich, einen Computer zu kaufen, damit ich mir ein Bild darüber machen konnte, was so los ist. Ich kam mir vor, als hätte ich das Feuer neu entdeckt. Ich starrte die Maschine an, die Zunge hing mir seitlich aus dem Mund und miteinem Finger hackte ich auf dem Rechner herum.“
Mit seinem Hauch von Psychedelik, den essentiellen Themen wie Liebe, Verlust und Hoffnung,
mit seinen eigenwilligen Soloparts aus Weinglas und Säge erheben die High Flying Birds ihren
Schöpfer Noel Gallagher in neue, bislang unbekannte Gefilde. „Man muss es doch versuchen, oder? Guck dir mal die Beatles an: zwischen Strawberry Fields und Mr Moonlight liegt nur eine ganz kurze Zeitspanne. Alle großen Bands sind über etwas gestolpert, von dessen Existenz sie vorher gar nichts wussten, und haben dann ihr eigenes Ding gemacht. Letzten Endes sucht man doch immer nach diesem gewissen Etwas, auch wenn man nicht weiß, was ‚es‘ ist. Wenn man es darauf anlegt, kann man es finden – immer wieder.“
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