Hier kommt Maximal Music

Eine Nase greift an: Als PLANNINGTOROCK macht die Wahlberlinerin Janine Rostron rätselhaften Elektropop.
Janine Rostron sagt: "Das Tolle daran, auf der Bühne zu stehen und Musik zu machen, ist: Man kann die Dinge sehr, sehr weit treiben."
Im Konzert steht sie dann gänzlich unbewegt. Auf dem Kopf eine Dauerwellenperücke, unter dem Parka dicke Polsterungen, das Gesicht kalkweiß geschminkt. Dieses Gesicht. Es ist nicht ihres. Es ist das einer Kreatur, eines Aliens, bezaubernd und abstoßend zugleich, jenseits jeder geschlechtlichen Zuordbarkeit, gleichzeitig bedauernswert freakig wie selbstbewusst einzigartig. Es wird beherrscht von einem gezackten Nasenhöcker, der das Gesicht zur Unkenntlichkeit verfremdet. Dieses Wesen steht in kaltblauem Licht und greift immer wieder in einen Fruchtkorb, stopft sich Trauben in den Mund. Ob es genießt oder frustfrisst, ist vollkommen unentscheidbar.
Zu einem unbeirrbar marschierenden Ein-Ton-Sägezahn-Synthie gesellen sich erst verhallte Streicher-Pizzikati, dann taucht es wieder auf, dieses Nasenwesen, in doppelter Spiegelung sogar. In Zeitlupe fliegen seine Haare, seine Augenbrauen treten hervor, die Stirn wölbt sich befremdlich über dem monströsen Zinken. Und wenn dieses Wesen an der Grenze zum Menschlichen dann noch mit stark heruntergepitchter Stimme singt "I Know My Feelings", dann ist das Irritierend-Faszinierende an der Kunst von Planningtorock zur Genüge umrissen.